Thomas Bölke im Interview

Als kreativer Eigenbrötler und Biologe lebt Thomas Bölke auf einem ehemaligen Bauernhof im idyllischen Nordhessen. Umgeben von ausgedehnten Wäldern geht er immer wieder auf ausgedehnte Streifzüge durch die Natur und nimmt sich dabei Zeit. Viel Zeit. Eine besondere Faszination geht für ihn von Orten aus, an denen sich das Leben seinen Existenzanspruch immer wieder neu erkämpfen muss. Orte, an denen sich schon bei Tageslicht der Verdacht aufdrängt, hier könnten Kobolde und andere Fabelwesen zuhause sein.

Dank seines meditativ-kontemplativen Ansatzes gelingt es Bölke, seinen wissenschaftlich geprägten Blick auf märchenhafte Weise mit künstlerischen Aspekten zu verbinden. Seine Werke fordern auf, sich mit oftmals unbekannten Facetten der Natur auseinanderzusetzen. Ihrer Schönheit, Ihrer Vergänglichkeit. Nur inmitten der Natur findet er die angemessene Bühne, wo seine bildgewaltigen Fantasien Realität werden können. „Mit der Natur arbeiten und gleichzeitig etwas schaffen, das nicht von dieser Welt scheint“ – das ist es, was ihn immer wieder nach draußen treibt. Es gibt noch viel zu entdecken!

Mit der Natur arbeiten und gleichzeitig etwas schaffen, das nicht von dieser Welt scheint“ – das ist es, was ihn immer wieder nach draußen treibt. Es gibt noch viel zu entdecken! Erfahren Sie mehr über den Künstler Thomas Bölke:

Künstlerinterview Thomas Bölke

Thomas bölke
BIOLOGIST & PHOTOGRAPHER

 

  • Lieblingsbuch
    Darwins Traumsee
  • Lieblingsserie
    Die Anstalt
  • Lieblingsessen
    Bratkartoffeln
  • Lieblingsmusik
    Fantasy
  • Lieblingsort
    Im Wald

Wir möchten mehr über Thomas Bölke erfahren:

Wie bist du eigentlich zur Fotografie gekommen?

Auf Umwegen. Sprich: Ich hatte zwar seit meinen Kindertagen Zugang, habe aber stets einen großen Bogen um alles gemacht, was fotografiert. Das mag vor allem daran liegen, dass mein wissenschaftlich geprägter Blick mich lieber zum zoologischen Bestimmungsbuch denn zur Kamera greifen ließ. Die Perspektive gewechselt habe ich erst durch meine Arbeit als freier Journalist, wo es schließlich keine Ausreden mehr gab. Das aus dem anfänglichen Unwillen der Beginn einer großen Leidenschaft werden sollte, hätte ich damals nicht zu träumen gewagt.

Wie lange fotografierst du schon?

Mit dem geistigen Auge schon mein Leben lang. Die Fähigkeit insbesondere Naturkulissen mitihren vielen Details ganz tief in mich einzusaugen war hier gepaart mit meiner lebhaften Fantasie. Das Einfangen dieser Stimmungen mit der Kamera begann 2007, da war ich bereits 31 Jahre alt.

Wie entstehen deine Arbeiten? Also wie sieht dein kreativer Prozess aus?

Es mag sich komisch anhören, aber der beste Ratgeber ist immer wieder mein Bauchgefühl. Erst dieses intuitive Spüren des Moments lässt mich voll und ganz mit meiner Umwelt in Berührung kommen. Am leichtesten fällt mir dieser Zugang in der Natur, schlicht weil ich hier schon seit Kindertagen auf Entdeckungsreise gegangen bin. Erst danach schaltet sich quasi das Großhirn ein, mit allen seinem Wissen und der Erfahrung im Hinblick auf Technik und Perspektive. Letzteres ist fraglos sehr hilfreich, aber ohne einen tiefen emotionalen Zugang bleiben die Bilder leer.

Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.

THOMAS BÖLKE

Welches ist dein persönliches Lieblingsfoto?

Da mich die hier präsentierte Serie „Impermanence“ lange beschäftigt hat und dem Thema Eisgerade im Hinblick auf den Klimawandel eine besondere Bedeutung zukommt, fällt mir die Wahl nicht allzu schwer. Das Bild „Origin“ lässt den Betrachter nur erahnen, was dort gerade vor sich geht. Ist hier etwas im Werden oder im Vergehen? Eine Besucherin, die minutenlang in der Szene versank, brachte das Ganze sehr schön auf den Punkt: „Es ist noch nicht, es will noch werden“.

Interview Thomas Bölke
Interview Künstler Thomas Bölke

Wie findet der Künstler Thomas Bölke seine Motive?

Das ist ganz einfach und doch unheimlich schwer. Bis zum nächsten Wald oder zur nächsten Wiese ist es bei mir nicht weit. Es gibt hier zudem einen heimeligen Bachlauf, Teiche und mehrere Naturschutzgebiete. Mit anderen Worten: Meine Motive befinden sich quasi vor der Haustür. Dabei die besonderen Momente einzufangen, bedeutet vor allem: Geduld und Ausdauer. Mal spielt das Wetter nicht mit, ein anderes Mal taucht das ins Visier genommene Insekt einfach nicht mehr auf. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich mit Prellungen oder gar Knochenbruch nach Hause gehumpelt bin, weil ich völlig gebannt von meinem Motiv den nahen Abhang nicht bemerkt habe.

Was sind Deine bevorzugten Themen und was möchtest Du mit Deinen Bildern bewirken?

Mein großes Thema ist auf jeden Fall die Natur. Um die einzigartige Schönheit jedes einzelnen Motivs zum Ausdruck zu bringen, verlasse ich allzu gern die realitätsgetreue Darstellung und spiele mit Abstraktionen. In der Serie „Impermanence“ etwa verschwimmen die Grenzen zwischen makroskopischer Dokumentation von Eis und der abstrakten, ja geradezu fremdartigen Anmutung auf besondere Weise. Darüber hinaus fotografiere ich seit Jahren bei Dunkelheit. Mit Taschenlampen und Fackeln habe ich 2010 den Nationalpark Kellerwald-Edersee illuminiert. Die so entstandenen Bilder tragen viel Fantasie in sich, die Anwesenheit von Feen und Kobolden ist quasi zum Greifen nah. Mit der Natur arbeiten, aber gleichzeitig etwas Schaffen, das nicht von dieser Welt scheint, das ist die Zauberformel, die mich immer wieder nach draußen treibt. Dabei anderen Zeiten von Klimawandel, Artensterben und dem globalen Raubbau an den natürlichen Ressourcen sollten wir uns dieser Einzigartigkeit viel mehr bewusst werden und entsprechend handeln.

Welche Bilder oder fotografische Ideen hast du derzeit im Kopf?

Im Moment plane ich ein weiteres Projekt in Sachen Lichtmalerei, da mein Heimatort nächstes Jahrsein 900 jähriges Bestehen feiert. Da ein geradezu märchenhaftes Naturdenkmal ganz in der Nähe liegt, heißt es nun für mich: Potentielle Standorte und Kameraeinstellungen prüfen und gleichzeitig das ganze Arsenal an Taschenlampen und Co einsatzbereit machen. Wenn dann noch das Wetter mitspielt, werden alsbald schon die ersten Lichter durch den nächtlichen Wald tanzen. Ein Traum!


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